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Zur Bedeutung von Gruppenpsychotherapie |
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In der zweiten Hälfte der 60er Jahre entwickelte sich die Psychoanalyse - und mit ihr die Psychotherapie - von einem Außenseiterfach, das wenig zur Kenntnis genommen wurde, zu einer weithin beachteten Wissenschaft und therapeutischen Praxis. Diese Entwicklung war nicht zuletzt eine Folge dessen, daß die enge Verbindung zwischen Psychoanalyse und Sozialwissenschaften wiederentdeckt wurde. Die Beziehung von seelischen und gesellschaftlichen Verhältnissen, von innerseelischen und interpersonellen Prozessen wurde zu einem wichtigen Thema. Mit der Wiederentdeckung der Verbindung von Psychoanalyse und Soziologie verband sich die Hoffnung, daß die Analyse der gesellschaftlichen Konstitution des individuellen Unbewußten und der unbewußten Konstituierung gesellschaftlicher Verhältnisse Hand in Hand gehen könne.
In diesem Zusammenhang fanden auch Gruppentherapie und Gruppendynamik breites Interesse. Die Gruppenpsychotherapie wurde zu einem differenzierten therapeutischen Instrument ausgearbeitet mit vielfältigen klinischen und theoretischen Konzepten und Modellen. In therapeutischen Gruppen sollten Erscheinungsformen seelischer und sozialer, intrapsychischer und interpersoneller Verhältnisse untersucht und therapeutisch nutzbar gemacht werden. Keine andere Therapieform schien dazu so gut geeignet zu sein wie die Gruppenpsychotherapie.
Einige der hochgesteckten Erwartungen der damaligen “Gruppenbewegung” erwiesen sich im Nachhinein als zeitbedingte Idealisierungen. Daß sich in der Gruppenpsychotherapie vielfältige Möglichkeiten bieten, innerseelisches und interpersonelles Geschehen und dessen wechselseitige Abhängigkeiten zu untersuchen, zu verstehen und therapeutisch zu nutzen, hat sich seither jedoch vielfach bestätigt. Die psychoanalytische und die an der Psychoanalyse orientierten Gruppentherapien haben sich als differenzierte Verfahren in der therapeutischen Praxis und auch in anderen Anwendungs- und Erfahrungsfeldern bewährt. Das Setting der Mehr-Personen-Beziehung als Übertragungsfeld und “agent provocateur”, als Bühne für Wiederinszenierungen und als Raum der Gestaltung sozialer Beziehungen bietet eine Fülle von Möglichkeiten des Erfahrens, des Erkennens und der Veränderung.
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